Deutsche-Pastell-Gesellschaft
– eine Erfolgsgeschichte? (von Andreas Royé, 2025)
Vor ein paar Wochen wurde ich gefragt, wann die Deutsche-Pastell-Gesellschaft gegründet wurde. Nach einer längeren Gedankenpause und Kontrolle in meinen Unterlagen konnte ich die Antwort geben: 2015. Da eine weitere Reaktion meinerseits ausblieb, kam umgehend die Anmerkung zurück, dass bei diesem markanten Datum und der Erfolgsgeschichte der DPG doch ein paar Worte veröffentlich werden müssten.
Auch wenn es keiner sah – etwas überrascht und irritiert habe ich dreingeschaut: 10 Jahre – in der Tat – ist eine klare Feststellung. Das Wort Erfolgsgeschichte ist hingegen einer genaueren Analyse wert.
Gibt man in Wikipedia den Begriff „Erfolg“ ein, so wird dieser definiert: Erfolg ist, wenn jemand oder mehrere gemeinsam die gesetzten Ziele erreichen.
Das Gründungsjahr hat diese Definition nicht erfüllt. Die Zielsetzung war so hoch, dass ein Erreichen nicht möglich war. Innerhalb kurzer Zeit führten Unstimmigkeiten über den einzuschlagenden Weg zu einem Bruch in der Gemeinschaft. Die geringe Anzahl der Gründungsmitglieder näherte sich gefährlich nahe der Null-Linie. Nach Definition ist das Gegenteil von Erfolg Misserfolg – ein Begriff, der das erste Jahr beschreibt.
In Anbetracht der ausländischen Präsenz von Pastell-Vereinen wurde die Idee, eine Deutsche Pastell-Gesellschaft zu gründen, unter den verbliebenen Mitgliedern dennoch als notwendiger Schritt eingestuft. Ein radikaler Umbau innerhalb der Entscheidungsstrukturen sollte die weitere Planung und einen kompletten Neuanfang ermöglichen. Die Zielsetzung reduzierten wir für den Anfang auf ein Minimum: durchhalten und abwarten auf eine langsam steigende Mitgliederzahl. Bei diesem bescheidenen Anspruch war die Definition von Erfolg zu erfüllen. Die Anzahl der Mitglieder auf unserer Website stieg nach 3 Jahren auf 30 Pastellmaler und Malerinnen. Die Gründung eines eingetragenen Vereins stand nicht mehr auf der Wunschliste und ist bis heute auch nicht vorgesehen. Der Nachteil fehlender finanzieller Möglichkeiten darf bei allen zukünftigen Planungen und Zielsetzungen nicht vergessen werden.
Bereits im zweiten Jahr der Gründung richteten wir eine
gleich lautende Facebook-Gruppe ein. Im März 2018 erschienen die ersten News
der Deutschen-Pastell-Gesellschaft. Neben interessanten Informationen aus der
Welt der Pastellmalerei wurden Neuigkeiten aus der Pastell-Gesellschaft
kommuniziert. Ersten Aufrufe zur aktiven Mitarbeit und Gestaltung der
Gesellschaft wurden veröffentlicht. Die neu gestaltete Website ist in den
ersten Jahren mehrfach inhaltlich als auch in ihrem Design verändert worden.
Im August 2018 fand unser erstes Symposium in Salzgitter
statt. Nachdem man sich die ersten Jahre fast ausschließlich online
kennenlernte, geschah dies in den schönen Sommer-Tagen im Schlosspark von Salzgitter-Ringelheim für alle
Teilnehmer persönlich. Im November des gleichen Jahres konnte die erste
gemeinsame Ausstellung in Ratheim eröffnet werden. Bei jedem Treffen fand ein
reger Austausch über Themen der Pastellmalerei statt und neue Ideen zur
Gestaltung der Pastell-Gesellschaft wurden besprochen. Das Gefühl eines langsam
einsetzenden Erfolges stellte sich ein. Das Symposium in Oberdollendorf (Königswinter)
2019 und die Ausstellungsplanung in Herne 2020 schienen dieses Gefühl zu
verstärken. Wegen Corona musste jedoch die Ausstellung abgesagt werden. Sie wurde
stattdessen online präsentiert. Nach einem schönen Symposium 2021 in der Alten
Molkerei in Hamminkeln wurde die Wiederholung einer Ausstellung in Herne für
2022 festgelegt. Diesmal konnte sie durchgeführt werden.
Parallel zu dieser Entwicklung schien die Pastellmalerei in
Deutschland einen weiteren Auftrieb zu erfahren. Unabhängig von der Deutschen-Pastell-Gesellschaft
gründete ein Mitglied einen Pastell-Online-Shop.
Das Angebot der in Deutschland erhältlichen Produkte vergrößerte sich. Unter
derselben Führung wurde die Planung eines deutschen Pastellmagazins initiiert.
Leider konnten sich beide Projekte zu unserem Bedauern nicht halten bzw.
blieben in der Planung stecken.
Die Mitgliederzahl wurde dreistellig, die Größe des
News-Verteilers wuchs schneller und die Anzahl der Facebook Freunde betrug ein
Vielfaches. Die Definition von Erfolg hatten wir erreicht, aber ein
gleichnamiges Gefühl stellte sich nicht ein. So wie die Anzahl der
Pastellkünstler in den verschiedenen Bereichen stetig wuchs, schrumpfte die
Anzahl derer, die die Arbeit bei der Organisation von Symposien und Ausstellung
übernahmen. Aufrufe zur aktiven Mitarbeit verhallten oder wurden nicht
eindringlich genug kommuniziert. Positive Rückmeldungen auf unsere
quartalsmäßig erscheinenden News, Veränderungen der Website, Bewerbungen für
Galerien und Titelbilder konnte man an einer Hand abzählen.
Der Duden beschreibt Erfolg als „positives Ergebnis einer
Bemühung“. Diese Beschreibung erinnert mich an die Beurteilung eines
Mitarbeiters, den man nach der Probezeit besser nicht weiter beschäftigt: „er
war stets bemüht, entsprechend seiner Möglichkeiten“.
Für viele Jahre wurde die Deutsche-Pastell-Gesellschaft von
zwei Gründungsmitgliedern am Leben erhalten. Deutsche-Pastell-Gesellschaft –
ein Erfolg?
In den Jahren 2023 und 2024 erschien es, als ob die Frage
Gehör fand. Zwei interessante, ansprechende Symposien konnten organisiert
werden - im Oktober 23 in den historischen Räumen der alten Baumwollspinnerei
Leipzig (Boesner Leipzig) und im Juni des darauffolgenden Jahres in Torgau (in
den Räumen des Kunstvereins). Kurz bevor das Durchhaltevermögen der beiden
Gründungsmitglieder erlosch, tauchten in dieser Zeit mehrere Mitglieder der
Pastell-Gesellschaft nicht nur mit neuen Ideen, sondern auch mit tatkräftiger
Umsetzung auf. Symposien wurden vorbereitet, Ausstellungen organisiert,
Wettbewerbe geplant, neue Inhalte umgesetzt. Mit neuer Energie und
Teamverstärkung wurden die Änderung spürbar.
Blick nach vorne: Das Symposium in Tangermünde 2025 ist
ausgebucht. Bewerber können nur noch in eine Nachrückliste für eventuelle
Absagen aufgenommen werden. Die Bewerbungen zu unserer großen und langen
Ausstellung 2025 in Torgau, zwei Monate vor dem Einsendeschluss, sind leider
noch sehr spärlich. Neben unserem bescheidenen Zielansprüchen haben wir auf
unserer Website immer die Absicht bekräftigt, der Pastellmalerei in Deutschland
zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Ausstellungen sind ein guter Schritt in diese
Richtung. Schaut euch die Ankündigung der Gemeinschafts-Ausstellung in Torgau
nochmal an und macht mit. Einer mittellosen Künstlervereinigung werden nicht
oft diese Möglichkeiten geboten.
Die Deutsche-Pastell-Gesellschaft ist dank der Geduld
einzelner Gründungsmitglieder und dank sehr aktiver Unterstützung in den
letzten beiden Jahren auf einem guten Weg zum Erfolg. Lasst ihn uns für weitere
10 Jahre gemeinsam gehen. Wir freuen uns auf eure tatkräftige Unterstützung.
Euer DPG Team (von A-Z)
Kerstin Birk, Jutta Fleschutz, Hans Joachim Peters, Andreas
Royé, Patrick Scheller, Svenja Starke, Martina Zingler